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Dieser verdammte
Krieg
War is where you buy it
Wir lernen Humanismus
mit deutschen Sozialdemokraten und Grünen und erinnern uns: Wenn serbische
Soldaten im Gefecht UCK-Kämpfer erschießen, dann ist das nicht
nur der kriegsübliche Mord, sondern ein Massaker an Unschuldigen, das
ein moralisches Bombardement nach sich zieht und ein "Auschwitz!"-Gekeife,
dem bald darauf das ganz reale Bombardement folgt. Wenn aber knapp drei Jahre
später Soldaten der Nordallianz mehr als 400 Kriegsgefangene abschlachten,
dann ist das die militärisch dringend notwendige Niederwerfung eines
bewaffneten Aufstands. Die Bewaffnung der Massakrierten bestand in den Fesseln,
mit denen man ihnen die Hände auf den Rückengebunden hatte. Da wird
ein Genickschuss zur reinen Notwehr. "Law is where you buy it",
schrieb Raymond Chandler.
Ein Mörder, der keiner mehr sein darf, kniet am Boden, die Hände
auf den Rücken gefesselt. Hinter ihm steht ein Mörder, der noch
aktiv ist. Er schießt. Hinter diesem steht ein Verbündeter, der
zuvor sagte: Keine Gefangenen! Der amerikanische Verbündete ist kein
Mörder, sondern ein Kämpfer gegen den Terrorismus. Hinter dem Verbündeten
stehen ein deutscher Kanzler und ein deutscher Außenminister. Auch sie
sind keine Mörder- sie sind entschlossene Pazifisten. Hinter ihnen stehen
Journalisten, Essayisten, Redakteure und erklären, warum alle, die Massaker
nicht gutheißen, evolutionär zurückgeblieben sind, Kleinkinder,
oder maximal 16jährige Pubertierstengel, die sich in moralischer Eitelkeit
sielen. Auch die Denunzianten von der Krieg-ist-richtig-Fraktion sind selbstverständlich
keine Mörder. Sie sind bloß die Harrynutten des Betriebs.
Wiglaf
Droste
(taz vom 6. 12. 2001)
www.neusser-monat.de (29.12.2001)