Müllgrube

„Tranktorpassage: Mieter gehen, Makler kommt“ so berichtet die NGZ, 08.08.01, über eine vorhersehbare Entwicklung. Wie so oft, passt es nicht in Neuss, denn wo Fressen&Saufen Lebensinhalt ist, und das auch noch Kultur genannt wird, haben andere Dinge einfach keinen Platz. Vielleicht sollte man den Devotionalienhandel für die „Tage der Wonne“, wie der Terror der legalen Drogen gerne genannt wird, in einem der leeren Geschäfte einrichten. Oder noch ein Handy-Geschäft, eine Bäckerei ist ja schon vertreten.

„Globalisiertes Unwesen“ so titelt ein Kommentar in der Rheinischen Post, 29.08.01, zum Drama um mehr als 400 Flüchtlinge auf dem norwegischen Frachtschiff zwischen Indonesien und Australien. Aber die beschränkte Optik des guten Christen von der Rheinischen Post will überhaupt nichts wahrnehmen von den Ursachen der weltweiten Flüchtlingsströme, sondern macht nur ein Übel aus, das ist das „Schlepperunwesen“. Gerade diese Flüchtlinge auf diesem Schiff, mehrheitlich aus Afghanistan, sind Opfer der westlichen Einflussnahme, wurden doch die „Freiheitskämpfer“, die dann zu Taliban mutierten, vom Westen installiert. Wer vergisst die Bilder, als ein CDU-Vorkämpfer (der heute sein Gnadenbrot beim Burda-Verlag verzehrt) ihnen Videokameras überreichte, damit sie ihren „Freiheitskampf“ dokumentieren sollten. Aber der gute Christ von der Rheinischen Post fordert nur „modernste Überwachungstechnik und drakonische Strafen“ und schwafelt von einer „Problemlösung“, der wir nicht „entkommen“. Wie soll die denn aussehen? So einen hohen Zaun um Westeuropa bauen wie an der Grenze zwischen Mexiko und den USA? Gerade ein Christ von der Rheinischen Post sollte aber auch so ehrlich sein und die Regierung von Australien loben, die in ihrer Politik zutiefst christlichen, humanistischen Grundsätzen folgt und das braune Pack einfach nicht haben will.

Boat-People wer erinnert sich noch, dass einst CDU-Strahlemann Ernst Albrecht, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, höchstselbst in Singapore sogenannte boat-people in Empfang nahm, um sie nach good old Germany zu begleiten in einer Propaganda-Show ohnegleichen. Es handelte sich damals um Angehörige der chinesischen Bevölkerungsminderheit aus Vietnam, so genannte Hoa, die aus wirtschaftlichen Gründen lieber auswanderten, um der Notlage in Vietnam zu entkommen. Sie wurden hier gebraucht, um die Propaganda gegen den Osten zu unterfüttern. Was ist nur aus ihnen geworden? Warum ist heute niemand Prominentes in Sicht, um „Boat-People“ (und seien es nur Kurden oder Albaner vor Italiens Küsten) an sein „Herz“ zu drücken?

Vergeltungsschlag die Israelis scheinen nur so von Vergeltungsschlag zu Vergeltungsschlag zu eilen und ein Recht auf Rache gepachtet zu haben. Selbst als vor wenigen Wochen Jürgen W. Möllemann den israelischen Staatsterrorismus, im Zusammenhang mit staatlichen Morden, genannt Liquidation, verurteilte, wurde diese Äußerung mit einem erstaunlichen Schweigen übergangen. So funktioniert Gehirnwäsche und Gleichschaltung. Ziemlich aus der Mode gekommen ist die Bezeichnung „Gummigeschosse“ (die von den Israelis verwendet werden), handelt es sich doch bei diesen um Stahlkugeln, die mit einem halben Millimeter „Gummi“ ummantelt sind und fürchterliche Verletzungen verursachen. Ebenfalls aus der Mode gekommen ist der Body-Count (wie er damals auch mit Vergnügen in Vietnam täglich durchgeführt wurde, um die getöteten Vietnamesen zu „zählen“), mit dem in den Nachrichten die getöteten Palästinenser und Israelis gezählt wurden, hätte doch hier die weitere Nennung der jeweiligen Opferzahlen das Missverhältnis erkennen lassen, denn den Israelis wird für ihre „Vergeltungsschläge“ gerne ein Anrecht nach dem biblischen Prinzip Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn zugebilligt. Man hört aber auch gar nichts von Einsätzen der palästinensischen Luftwaffe oder wie viel Panzer hat Arafat?

Roman Herzog von Berlichingen gab sich einen Ruck und erfreut uns mit einer weiteren Eheschließung, die wohl unnötigerweise den Steuerzahler belasten wird. Die neue Gattin, gerade 60 Jahre alt, wird nach dem Ableben des Herrn Gemahl eine Apanage (Witwenrente) vom Staat kassieren, die ein hübsches Sümmchen ausmachen wird, also nicht gerade eine sozialverträgliche Form der Hinterbliebenenversorgung. Oder ist der Zaster notwendig, um die herzogliche Burg zu erhalten? Die neue Gattin könnte doch auch wie Frau Christiane Herzog Kochkurse im Fernsehen geben und das Familieneinkommen aufbessern. Diese Kochkurse hatten einen hohen Comedy-Wert und könnten entsprechend honorarträchtig sein. Man denke nur daran, was da an weiteren Versorgungsfällen heranwächst....

Rajiv Singh (MEW)

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