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Als im April diesen Jahres der FDP-Offizier seine Gedanken zur Landesverteidigung
preisgab, erntete er landesweit erstaunlicherweise nicht Zustimmung sondern
Empörung: "Israels Politik fördert den Terrorismus. Was würde
man denn selber tun, wenn Deutschland besetzt würde? Ich würde mich
auch wehren, und zwar mit Gewalt. Ich bin Fallschirmjägeroffizier der
Reserve. Es wäre meine Aufgabe, mich zu wehren. Und ich würde das
nicht nur im eigenen Land tun, sondern auch im Land des Aggressors."
Was jedem aufgeklärten Staatsbürger einsichtig ist, der zwischen
Freund und Feind klar unterscheidet, verliert gegenüber dem Staate Israel
seine Gültigkeit und wird mit dem Gütesiegel "Antisemitismus"
versehen und als rassistische Entgleisung verurteilt.
Dabei vergessen die aufgeregten Gemüter erstens, dass die Grundlage
jeder kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Staaten immer die rassistische
Subsumierung der eigenen beziehungsweise feindlichen menschlichen Manövriermasse
unter die Zwecke der kriegführenden Nationen ist. Mit Haut und Haaren
hat sie das Vorhaben der Obrigkeit auszubaden. Und das ist im Israel - Palästina
- Konflikt nicht anders.
Zweitens ignorieren die Möllemann-Kritiker die eigentlichen Ursachen
des politischen Antisemitismus: Es ist die radikal zugespitzte polemische
Seite des beleidigten Nationalismus. Patrioten, die bekanntlich sich und die
Nation in eins setzen, suchen nach Schuldigen, wenn ihr großartiges
Kollektivwesen nicht die notwendige Anerkennung von innen und außen
bekommt. Und da ist der innere Feind schnell ausgemacht. Es sind alle diejenigen,
die irgendwie nicht dem nationalen Volkskollektiv zugeordnet werden. Da werden
Kommunisten, "Wucherer", religiös oder von der Hautfarbe her
abweichende Individuen als zersetzende Elemente gebrandmarkt und unterschiedslos
verfolgt.
Möllemann ist kein Antisemit. Als Nationalist ist er im obigen Sinne
stinknormaler Rassist. Er will sich als Deutscher nicht das Recht nehmen lassen,
Israel wie alle anderen Nationen öffentlich schlecht machen zu dürfen.
Es stört ihn, dass Deutschland die Eintrittskarte, die es zum Mitmachen
in der Weltpolitik durch die Selbstbeschränkung in Sachen Kritik an Israel
erworben hat, heute immer noch hoch hält: "Der Grundkonsens für
uns Deutsche muss sich aus der historischen Verpflichtung für das Land
Israel ergeben. Meine Vätergeneration wollte das jüdische Volk in
furchtbarer ideologischer Verblendung vernichten. Dafür haben sie das
furchtbarste Verbrechen der Menschheitsgeschichte ins Werk gesetzt. Dafür
trägt unser Land, Deutschland, die bleibende Verantwortung. Das ist unsere
fortgesetzte Verpflichtung zu einer nicht hinterfragbaren Solidarität.
... Erst auf dem festen Fundament unverbrüchlicher Solidarität ist
Kritik möglich." (Joschka Fischer, FR, 20.4.)
Wie verlogen diese "historische Verpflichtung" daherkommt zeigt
sich im Verhältnis zur Sowjetunion seit dem Kriegsende über 40 Jahre
hinweg. Die über 20 Millionen tote Russen auf dem Konto der deutschen
Wehrmacht waren kein Grund aus "historischer Verpflichtung" der
UdSSR "unverbrüchliche Solidarität" angedeihen zu lassen.
Vielmehr drohte man ihr mit atomarer Vernichtung.
Möllemanns Äußerungen sind (noch) nicht zeitgemäß.
Die imperialistische Begutachtung der Welt darf von deutscher Seite auf Israel
aus weiser Berechnung nicht ausgedehnt werden. Aber vielleicht ist Möllemann
ein Mann der Zukunft?
Die Linke in diesem Lande tut gut daran, nicht einfach die Muster des staatlichen Anti-Antisemitismus zu kopieren, um daraus eine linke Strategie zu entwickeln. Stattdessen sollte sie die Gemeinsamkeiten der herrschenden Demokraten aufspüren und diese der Kritik unterziehen.
Lesetipp: http://www.gegenstandpunkt.com/gs/02/3/moell-x.htm