Irak-Krieg - ein angekündigtes Verbrechen


Der Krieg gegen den Irak ist beschlossene Sache. Seit Monaten wird er von den USA logistisch vorbereitet. Er soll beginnen, sobald der derzeitige Aufmarsch am Golf - laut New York Times sollen dort 250.000 US-amerikanische Soldaten eingesetzt werden - abgeschlossen ist.
Mit den "Gründen", die Bush und sein Kabinett für die "Notwendigkeit" dieses Kriegs ins Feld führen - Unterstützung des "internationalen Terrorismus" durch den Irak, Verletzung von UNO-Resolutionen, Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen, Menschenrechtsverletzungen etc. - hat der angekündigte Krieg nicht das geringste zu tun. Was davon zutrifft, gilt auch für andere Regimes, die zu den besten Freunden der USA zählen (wie noch bis 1989 Saddam Hussein); andere Behauptungen werden selbst vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA nicht ernst genommen.
Es geht den USA auch nicht nur um einen kurzen Militärschlag zum Sturz "Saddams" und dessen Ersetzung durch ein Marionettenregime à la Afghanistan; geplant ist die langfristige Unterstellung zumindest der irakischen, auf mittlere Sicht möglicherweise auch der saudischen und iranischen Erdölfelder unter die direkte Kontrolle durch US-Militär.

Ein aufschlussreiches Geheimdokument

"Die Vereinigten Staaten haben seit Jahrzehnten versucht, eine dauerhaftere Rolle in der Sicherheitsarchitektur am Golf zu spielen. Der ungelöste Konflikt mit dem Irak liefert zwar die unmittelbare Begründung dafür, die Präsenz einer substantiellen amerikanischen Streitmacht am Golf aber ist ganz unabhängig von der Frage des Saddam-Hussein-Regimes nötig." So zu lesen in einem am 15.9.02 von der britischen Zeitung Sunday Herald (Glasgow) enthüllten Geheim-Dokument, das im September 2000 (!) im Auftrag von Dick Cheney (dem jetzigen Vizepräsidenten), Donald Rumsfeld (US-Verteidigungsminister), Paul Wolfowitz (Rumsfelds Stellvertreter), George W. Bushs jüngerem Bruder Jeb und Lewis Libby (Cheneys Stabschef) erstellt wurde, also noch während des Präsidentschaftswahlkampfs, und das als eine Art Leitfaden für die Außen- und Militärpolitik der Bush-Regierung verstanden werden kann. Kein Wunder, dass die amerikanische Rüstungsindustrie und die amerikanischen Ölmultis, mit denen Bush selbst und fast sein gesamtes Kabinett aufs Engste verbandelt sind, alles taten, um diese Truppe an die Macht zu schieben - Wahlfälschung eingeschlossen.

Es geht um gigantische Erdölprofite

Das Interesse an einer "dauerhafteren Rolle in der Sicherheitsarchitektur am Golf" hat handfeste Gründe: Dort liegen zwei Drittel der Welterdölreserven, im Wert, nach vorsichtigen Schätzungen, von mindestens 10.000 Milliarden Dollar (zu heutigen Weltmarktpreisen); und das Öl in dieser Region fließt "fast von selbst" aus dem Boden. Die Förderkosten im Irak - nach Saudi-Arabien das ölreichste Land der Erde, mit 11 % der bekannten Welt-Erdölvorräte - liegen bei 2 Dollar pro Barrel (= 159 Liter); der Marktpreis für das Rohöl aber bei 25 Dollar (zur Zeit sogar noch höher). Es ist diese Differenz zwischen Förderkosten und Marktpreis - die "Rente" -, was die amerikanischen Ölmultis (und sie sind, neben zwei britischen und einem französischen Konzern, die einzigen, die weltweit im sogenannten "Upstream"-Geschäft - der Förderung von Erdöl - tätig sind) so gierig in die Nahostregion blicken lässt. "Bei entsprechendem Profit wird Kapital kühn", zitiert Karl Marx in einer berühmt gewordenen Fußnote seines Hauptwerks einen englischen Gewerkschafter. "Für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens."
Das Verbrechen Irak-Krieg, das die Bush-Bande derzeit mit Unterstützung ihres britischen Schoßhündchens Tony Blair vorbereitet, soll freilich nicht nur Superprofite in die Kassen der amerikanischen und britischen Öl- und Rüstungsindustrie spülen; es ist, wie schon andere große Kriege, zudem dazu gedacht, die insgesamt lahmende US-Konjunktur anzuheizen. Was erklärt, weshalb auch andere "Geschäftskreise" - und ihre Repräsentanten im Kongress der USA - ihm positive Aspekte abgewinnen können. Und schließlich: wenn die USA das Öl des Nahen Ostens kontrollieren, haben sie auch ein mächtiges Instrument zur Kontrolle über die Industrien ihrer Konkurrenten in Europa und in Japan in der Hand, die von Ölimporten aus dieser Region weit abhängiger sind als die US-Industrie.
So gesehen, spiegelte die Wahlkampfaussage Schröders gegen ein "Kriegsabenteuer" Irak - "selbst mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrats" - nicht nur die Antikriegsstimmung in der Bevölkerung wieder, sondern auch berechtigte Befürchtungen deutscher und europäischer Großkonzerne. Allerdings setzten diese - und ihr "geschäftsführender Ausschuss" Bundesregierung - bis vor kurzem auf die Linie, die Außenminister Fischer noch im Frühjahr in den Worten zusammenfasste, dass "nur wer [bei den amerikanischen Raubzügen] mitmacht, auch [über die Verteilung der Beute] mitreden kann". Es ist zu befürchten, dass diese Linie jetzt, nach den Wahlen, wieder zur dominierenden wird. Noch immer stehen deutsche Truppen im geplanten Kriegsgebiet, nämlich in Kuwait (und anderswo), und die ersten US-Tarnkappenbomber, die über die Menschen des Irak Tod und Verderben bringen sollen, sind bereits in Deutschland stationiert - ohne dass die Bundesregierung dagegen Protest erhoben hätte.
Noch einmal: Der Krieg gegen den Irak ist beschlossene Sache. Bush hat mehrfach erklärt, dass er ihn notfalls auch ohne und gegen das Votum des UN-Sicherheitsrats führen möchte. So wichtig und begrüßenswert ein Sicherheitsratsbeschluss wäre, der den Wünschen der amerikanischen Kriegstreiber entgegenläuft - die einzige wirkliche Kraft, die ihnen jetzt noch das Handwerk legen kann, ist deshalb eine starke amerikanische Friedensbewegung, die sie um ihre Macht im eigenen Land fürchten lässt.

Mit unseren US-amerikanischen Freunden - gegen das geplante Kriegsverbrechen

Wir sind alles andere als Antiamerikaner - wir stehen an der Seite unserer amerikanischen Freunde! Die sitzen nicht im Pentagon und nicht im Weißen Haus. Sie sind heute, wie wir, auf der Straße - gegen das angekündigte und in aller Öffentlichkeit vorbereitete Verbrechen Irak-Krieg!


Unsere Aufgabe ist es, die Schröder/Fischer-Regierung zu zwingen, ihren Wahlkampferklärungen Taten folgen zu lassen:

o Keinerlei militärische und finanzielle Beteiligung an einem Krieg
gegen den Irak!
o Verbot jeglicher Nutzung militärischer Infrastruktur in der BRD
durch ausländische Armeen!
o Verweigerung des Überflugrechts für Kriegseinsätze und
Versorgungsflüge des US-Militärs!
o Sofortiger Abzug der Spürpanzer aus Kuwait und der Marineverbände aus der Golfregion und vor Afrika!
o Stopp der Aufrüstung der Bundeswehr zu einer weltweit einsetzbaren Angriffsarmee und Verwendung der Gelder für soziale Zwecke!


Bitte vormerken:

Dienstag, 26. November, 19.00 Uhr, Antikriegsveranstaltung der DKP im ZAKK!
Joachim Guilliard, Heidelberg, spricht über
"Vorgeschichte und Hintergründe eines angekündigten Krieges"

J. Guilliard ist Sprecher der deutschen Anti-Embargo-Initiative und Mitherausgeber und -autor des Buches "Der Irak. Ein belagertes Land" (PapyRossa Verlag, Köln 2001).

Deutsche Kommunistische Partei Düsseldorf
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V.i.S.d.P.: Gundel Kahl, Postfach 15 03 11, 40080 Düsseldorf