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Vize-Weltmeister
"Vize-Weltmeister" ist bekanntlich ein Prädikat höchster
Güte. Nachdem sich Deutschland diesen Titel beim Balltreten erschlichen
hat, hat sich der westliche Teil unseres Heimatlandes im Jahre 2002 diese
Auszeichnung auch in Sachen Lohnkosten hinter Weltmeister Norwegen mit durchschnittlich
26,36 Euro pro Stunde erworben. (RP, 20.8.)
Dagegen begnügen sich die ostdeutschen Arbeitsleute mit 16,43 Euro pro
Stunde und belegen abgeschlagen Rang 18 der Weltrangliste.
Jedes Kind weiß natürlich, dass hohe Lohnkosten reines Gift sind
für eine profitable Wirtschaft und deshalb ihnen der Kampf angesagt werden
muss. Darum sollen die ökonomischen Verhältnisse in der Ex-Zone
vorbildhaft sein auch für den Westen. Die Einrichtung einer Billiglohn-Zone
innerhalb der eigenen Grenzen zeigt schon in die richtige Richtung. Da aber
bekanntlich die Lebensverhältnisse in Ost und West einander angepasst
sein sollen - schließlich sind wir ein Volk - ist es der Wunsch von
Kapital, Politik und Öffentlichkeit, dass auch im Westen vergleichbar
beglückende Lebensverhältnisse einkehren. Die Gewerkschaft hat wohl
den Paradigmenwechsel nicht ganz mitbekommen und sich mit ihrem Krampf um
die 35-Stunden-Woche kräftig daneben benommen. Aber die Betriebsräte
der vom Streik betroffenen westlichen Betriebe haben ihren Kollegen aus der
Ex-Zone dafür auch mächtig den Marsch geblasen.
Künstler-Pech
Da hat wohl irgendein enttäuschtes Luder unseren hoch verehrten Professor
Jörg Immendorf an die Polizei verpetzt. Dieser hat sich in einem Düsseldorfer
Nobelhotel einen netten Tag mit einigen jungen Damen und ein paar Gramm weißen
Pulvers gemacht. Wahrscheinlich geht dem Herrn Professor die verlogene bürgerliche
Schicki-Micki-Szene, in der er sich seit einigen Jahre herumtreibt, derartig
auf den Keks, dass er sie nur im Rausch aushalten kann.
Das war früher anders. Als er noch im Auftrage der Partei den Arbeiter
mit den starken Armen malen durfte, die alle Räder zum Stillstand bringen
konnten, hatte sein Leben noch Perspektive und Sinn. Dem Volke dienend, den
Sieg im Volkskrieg vor Augen, strebte er der leuchtenden Zukunft entgegen.
Da hat's kein Koks gebraucht.
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
In ihrer Ausgabe vom 21. August klärt uns die Rheinische Post über
die Rasse-Frage auf. "Schwarzafrikaner" treiben sich in Düsseldorf
an öffentlichen Plätzen und in Straßenbahnwagen herum und
versorgen ihre drogenabhängige Klientel mit dem nötigen Stoff. Eine
Mutter, deren Tochter offenbar von den schwarzen Leuten verführt wurde,
fordert: "Man muss doch etwas tun". (ebd.)
Da die Polizei wohl tatenlos dem Treiben zuschaut, sind die Bürger zur
Selbsthilfe gezwungen. Ein Hausmeister in einem Parkhaus an der Stresemannstraße
geht jetzt mit dem Knüppel auf die Jagd nach den Negern, die sich natürlich
in den dunklen Ecken zwischen den Nobelkarossen, die sie bestimmt auch noch
nebenbei aufknacken, besonders gut verstecken können.
Wir brauchen wieder kernige Politiker wie den ehemaligen NRW-Minister Farthmann,
der diesbezüglich eine klare Sprache bevorzugte: "An den Kragen
gepackt und raus damit!"
Die Sortierung der Bevölkerung nach dem Nützlichkeitskriterium, wobei selbst ein Schwarzer oder Chinese, wenn er das nötige Kapital oder Wissen der deutschen Wirtschaft zur Verfügung stellt, in unserem Lande gute Karten hat, ist für den Durchschnittsdeutschen eine glatte Überforderung. Er braucht klare Orientierungsmaßstäbe. Und was eignet sich da besser als die Hautfarbe? Diesem Bedürfnis kommt die Rheinische Post mit ihrer Berichterstattung nach.
Florida-Rolf
1906,20 Euro bekommt laut BILD vom 22. August Rolf J. jeden Monat vom Sozialamt
nach Florida / USA für Unterkunft und Verpflegung überwiesen. BILD
hat nachgefragt. Was sagt Ottonormalverbraucher dazu: "Frechheit",
"Schmarotzer", "total ungerecht". Sven Elze aus Magdeburg
äußert sich gegenüber BILD: 1900 Euro? Ich kriege die Hälfte,
1039 Euro. Dafür schufte ich 50 Stunden pro Woche! Balken schleppen,
Zement, Sand ... Von wegen Meerblick - ich sehe immer nur Staub und Steine!
Und wir in der Baubranche haben auch noch Angst, den Job zu verlieren."
Hat sich da Herr Elze nicht den falschen Gegner ausgesucht? Wer hat ihm denn
die miesen Arbeits- und Lebensbedingungen eingebrockt? Ist es Florida-Rolf
oder etwa sein oberster Chef und Bauunternehmer, der zur Zeit auf seiner Jacht
vor Nizza sich ein paar schöne Tage macht?
Aber es geht dem Neidhammel Sven gar nicht um die Kritik seiner Drecksarbeit,
sondern er wünscht sie jedem seiner Klassengenossen auch an den Hals.