Realer Profit & idealisiertes Gesundheitsstreben

Im Leitartikel der Beilage "Stahl 2003" zur Rheinischen Post vom 12. November erklärt Professor Dr.-Ing. Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh: "Energiepolitik ist Standortpolitik und entscheidet über wirtschaftlichen Wohlstand und den Erhalt von Arbeitsplätzen. ... Im globalen Standortwettbewerb läuft Deutschland Gefahr, durch idealisierte Vorstellungen über eine einseitige ökologische Energiewende seine Konkurrenzfähigkeit aufs Spiel zu setzen. ... So ist die Vorstellung, erneuerbare Energien könnten in den kommenden Jahrzehnten auf einen Anteil von 50 Prozent an der Stromerzeugung ausgebaut werden, nicht zu finanzieren und daher in das Reich der Utopie zu verweisen."
Der Herr Professor erklärt, dass saubere Luft und Profitinteresse der Unternehmer sich nicht miteinander vertragen. Das ist die eine Seite. Zynisch wird er, wenn er auf der anderen Seite der vom Geschäftserfolg des Unternehmers abhängig Variablen, der Arbeitskraft, ebenfalls ein Interesse an der Ruinierung seiner Gesundheit durch schlechte Umweltbedingungen unterstellt. Aber die Tatsache, dass der Prolet sich jedem Dreck aussetzen muss, um sein Leben irgendwie finanzieren zu können, findet bei diesem bisweilen sogar positive Anerkennung, wenn er als gestandener Sozialdemokrat und aktiver Gewerkschafter den ökologischen Spinnern übers Maul fährt. Denn das weiß der Arbeitsmann: Kapitalistisches Wirtschaften und eine gesunde Lebensführung passen nicht zueinander.
Ob der Lohnarbeiter sich in dieser Auseinandersetzung den richtigen Bündnispartner zugelegt hat ist fraglich.

www.neusser-monat.de (16.11.2003)