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Da der DGB und die Spitzen der Einzelgewerkschaften den im Frühjahr
dieses Jahres angekündigten "heißen Herbst" gegen die
"Sozialreformen" wieder abgeblasen haben, gibt es für aktive
Gewerkschafter nur noch die Möglichkeit, sich an andere Initiativen und
Zusammenschlüsse anzudocken, um gegen den Sozialabbau anzugehen. Ein
solcher Zusammenschluss ist das "Bündnis Soziale Bewegung NRW",
dem Vertreter/innen von Gewerkschaften, Sozialverbänden, Kirchen und
anderen Verbänden und Initiativen angehören.
Die aktuelle Ausgabe der ver.di-Mitgliederzeitung "Publik" (10/2003)
räumt dem Vorsitzenden der AWO und Mitinitiator des Bündnisses,
Paul Saatkamp - ehemaliger Sozialdezernent von Düsseldorf - die Möglichkeit
ein, in einem Interview seine Version des Bündnisses darzulegen.
Schon der Aufmacher: "Schaffen wir eine Greenpeace-Bewegung im sozialen
Bereich", wortgleich auch im Interview von Saatkamp zu lesen, verweist
darauf, dass an eine Mobilisierung der Massen nicht gedacht ist. Wie bei Greenpeace,
einer elitären Kampfgemeinschaft, einer verwegenen Minderheit von Aktivisten,
soll - so Saatkamp - das Bündnis "so etwas wie eine Lobby für
die kleinen Leute sein" (alle Zitate aus dem Interview).
Seine Partei, die SPD, lässt er bis auf Pauschalvorwürfe an die
"sozialdemokratisch geführte Bundesregierung" ziemlich ungeschoren.
So nennt er nicht die verantwortlichen Politiker seiner und der grünen
Partei, wenn er beklagt, "dass das momentane politische Klima ... nicht
ermöglicht", seiner Vorstellung zu folgen, die Erbschaftssteuer
um 1% zu erhöhen.
Übrigens hat er nichts dagegen, die "Lohnnebenkosten" zu senken,
"wenn die Bedingungen stimmen." Neben der moralischen Entrüstung
über die "Einsparung von vier bis sieben Milliarden" bei den
"Ärmsten der Armen" macht sich Saatkamp mehr Sorgen um die
"Kaufkraft der Gesellschaft": "Das heißt, wenn ich diesem
Personenkreis (s.o.) Geld wegnehme, zerstöre ich Kaufkraft". Und
nicht in erster Linie deren Lebens- und Existenzgrundlagen!
Letztlich läuft das Ansinnen von Saatkamp - immerhin Sprecher der Nationalen
Armutskonferenz - darauf hinaus, der Regierung den Vorwurf zu machen, die
"Belastungen nicht auf Arme und Reiche zu verteilen".
Er soll mal seine Genossen fragen, warum sie darin eben keinen Weg sehen,
den "Standort Deutschland", ihr Lieblingssteckenpferd, wieder voran
zu bringen.
HPJ