Staatsbürgerkunde aus Lörick

Wie man in unserer Gesellschaft sein Interesse zu formulieren hat, wird hervorragend vom Initiativen-Sprecher "Rettet die Rheinauen", Heinz Jürgens, vorexerziert.
Bekanntlich hat sich die Stadt Düsseldorf mit ihrem Oberbürgermeister Erwin an der Spitze vorgenommen, nach der verlorenen Schlacht um die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft sich kräftig für die Durchführung der Olympischen Spiele 2012 im Rhein-Ruhr-Raum einzusetzen.
Nun gibt es aber den einen oder anderen, der mit dem Großprojekt der Angeberei so gar nichts anzufangen weiß. Er vielmehr feststellen muss, dass beim Gelingen des Vorhabens ihn womöglich ein dicker Schaden erwartet. Da sind es vor allem laut RP-Bericht vom 22.5. die Bauern, die "um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten." Sie sollen neben anderen Eingeborenen von Lörick ihren Grund und Boden für ein olympisches Dorf hergeben. Nun könnte man meinen, die betroffenen Löricker rotten sich zusammen und erklären der Stadt, dass sie gar nicht daran denken, die Mücke zu machen, und sich der Erwin das Dorf in die Haare schmieren soll.
Nein, die Bürgerbewegung ist da viel eleganter. Zunächst verkleidet sie ihr Anliegen in eine Formel, die kein guter Regierender ablehnen kann. Sie kämpft nämlich ausdrücklich nicht für sich, sondern für den Erhalt der "Rheinauen". Aber den Verdacht kann sie einfach nicht abschütteln, sie wolle lediglich ihre schnöden Privatinteressen durchsetzen. Darum erklärt der Sprecher der Initiative laut RP: "Der Eindruck, große Teile der Protestgruppe wollten die Bewerbung der Stadt Düsseldorf um jeden Preis torpedieren, um die eigenen Interessen durchzusetzen, sei nach seiner Einschätzung nicht richtig und werde auch von der Führung der Gruppe nicht geteilt. Man sei nicht pauschal Gegner der Spiele, sondern nur einer erdrückenden Bauweise eines olympischen Dorfs in Lörick." (ebd.)
Schulmäßig macht Jürgens hier den Diener vor der Staatsgewalt. Natürlich erkennt man das staatliche Vorhaben an und will ihm auch nicht im Wege stehen. Das eigene Anliegen taucht nur noch in der Form eines alternativen gesellschaftlichen Anliegens auf.
Damit ist zwar die Durchsetzung des Interesses unter den Tisch gefallen, man darf aber sicher sein, dass die Initiativler in den zukünftigen Planungskomitees einen Stammplatz erhalten.


www.neusser-monat.de (26.5.2002)