Israels Libanon-Krieg – USA & Israel – Hisbollah –
UNIFIL, EU und Bundeswehr nach Libanon
Israels
Libanon-Krieg – sein grenzenloses „Existenzrecht“ – USA & Israel –
Hisbollah – UNIFIL, EU und Bundeswehr nach Libanon
– Sendung im Freien Radio für Stuttgart am 27.09.06 –
1. Block: Worum ging es IL in diesem Krieg.
Frage:
Besprechung des Kriegs in den Zeitungen ging hier so: ‚Klar, dass IL sich gegen
Terroristen verteidigt, aber dieser Krieg ist unnötig brutal gegen die
Zivilbevölkerung; so was wie Infrastruktur, Brücken und Verbindungswege
zerstören, Ölteppiche produzieren, in den letzten Kriegstagen noch x
Streubomben abwerfen – das sei nicht nötig; auch nicht geeignet, entführte
Soldaten freizubekommen und überhaupt ganz unverhältnismäßig.‘ Was sagst
du zu dieser Kritik?
Antwort
das ist kein Einwand gegen Krieg … erkennt gute Gründe für Krieg an: Terror.
„Aber ist denn dafür dieses Ausmaß nötig“ – diese Kritik unterstellt ein Maß,
wie, mit welchen Mitteln geführt, ein Krieg einleuchten täte … solche Kritik
fragt sich nicht mehr, welche Zwecke hat denn IL, wenn es den Krieg so führt,
wie es das macht? Was bezwecken sie denn mit der brutalen Vorgehensweise – das
wäre die richtige Frage, nicht der Vorwurf, das ist doch gar nicht „unverhältnismäßig“,
Denn dieser Einwand billigt den Krieg im Prinzip, von seinem Zweck, der die
angewandten Mittel heiligt, will er aber nichts wissen. Von gleicher Art ist
die gerne aufgestellte Forderung, die Zivilbevölkerung zu schonen: Man
unterschreibt damit den guten militärischen Sinn des Krieges unter der einzigen
Bedingung, dass er nur den richtigen Opfern wehtut.
F
und, was wollen sie erreichen?
A
Israel will jeden Widerstand gegen seine Staatsgründung und gegen seine
Vormachtstellung in der Region auslöschen, Schluss machen mit störenden
Elementen wie der Hisbollah …Das libanes. Volk wird als verdächtige Basis
gleich mit angegriffen…Dem Libanesischen Staat (und damit allgemeine Botschaft)
wird bedeutet, was einem Staat blüht, wenn er gegen Gegner ILs nicht
wirkungsvoll vorgeht, gleichgültig ob er überhaupt ausreichende Mittel dazu
hätte, wenn er es wollte. Von Standpunkt der absoluten Unversehrtheit ILs aus
wird LBN behandelt als Basis, Zuflucht, Ressource der Hisbollah – und
dementsprechend zerstört …
F
jetzt ist ja Hisbollah ein Schützling von Syrien und Iran.
A Unterstützerstaaten
wie SY/IR sollen ebenfalls abgestraft werden, Unterpfand gegen IL verlustig,
desavouiert in der Region als machtlos gegen IL: Wer sich von Feinden ILs
ausrüsten und aushalten lässt, dem wird durch totales Zuschlagen bewiesen, dass
seine Gönner in Damaskus und Teheran angesichts der Übermacht ILs unfähig zu
Schutz und Hilfe sind …
F
UNO und EU haben schon früh während des Kriegs auf eine Waffenruhe gedrungen,
C. Rice meinte dagegen, es dürfe keinesfalls der Status quo ante, also der
Zustand vor dem Krieg, Ergebnis sein – Warum haben die USA IL den Rücken frei
gehalten, so dass sie mit Krieg nicht aufhören mussten? Warum dieser Freibrief?
A
Die USA haben klargestellt, dass sie ILs Krieg gegen die Hisbollah als Teil
ihres Antiterrorkrieges sehen. Daher unterstützen sie die Position ILs, dass es
selbst bestimmt, wann es aufhört, Krieg zu führen. Durch das Wegwischen der
europ. Forderungen nach Waffenruhe haben die USA auch die EU-Staaten wurden der
Machtlosigkeit überführt, dafür gesorgt, dass ihr Einfluss in dieser Region
nichts zählt. ...
2. Block:
Sonderstellung ILs – Holocaust, Existenzrecht verteidigen – höchster
moralischer Titel
F
IL nimmt für sich in Anspruch, dass es nach dem Holocaust ein besonderes Recht
darauf hat, dort in dieser Region einen Staat zu gründen – umgekehrt, es
besonders perfide ist, gegen IL („terroristisch“) vorzugehen.
A
IL macht sich in einem feindlichen Umfeld breit, vertreibt die ansässige
Bevölkerung, holt immer mehr Juden aus aller Welt zu sich, vergrößert die
Grenzen ständig … da exekutiert ein Staat sein unveräußerliches Recht auf Land
und Leute und setzt das gegen alles dort Befindliche durch. Das ist 1.
notwendig ein kriegerisches Programm, 2. ein anspruchsvolles, das sich nicht in
der Eroberung eines Territoriums erschöpft, da IL zur Gewährleistung seiner
Sicherheit allen Staaten überlegen sein will, die es sich in der Region zu
Feinden gemacht hat. Daher will es regionale Großmacht sein, weil es
sicherstellen will, dass es jedem denkbaren Gegner und jeder denkbaren
Koalition von Gegnern überlegen ist. Das ist er Grund für ILs Gegensätze zu den
Staaten in der Region. „Existenzrecht“ bedeutet also im Falle IL nicht, ein
kleines bedrohtes Völkchen muss doch von einer arabischen Übermacht in Ruhe
gelassen werden. Es schließt vielmehr den Anspruch ILs ein, nicht nur seine
Grenzen einseitig auf Kosten der umliegenden Völker zu definieren, sondern auch
den Anspruch, allen Nachbarn zusammengenommen überlegen zu sein. Daher schafft
es sich mit seiner überlegenen Gewalt das Recht, seine Machtstellung in der
Region ohne jede Rücksicht auf die Interessen der palästinensischen Bevölkerung
und seiner Nachbarstaaten durchzusetzen. Es macht seine Sicherheit nicht
abhängig von der Anerkennung und von Schutzzusagen anderer Staaten, sondern
setzt das Ideal eines jeden Staates durch, seine Sicherheit allein mit eigenen
Machtmitteln zu erzwingen. Legitimationstitel dafür ist der
Beinahe-Auslöschung der eur. Juden durch NS-Deutschland.
3. Block: USA und IL
F
Es ist deutlich, dass die USA nichts gegen den Krieg, den IL führt, haben, im
Gegenteil. Wie sehen die US-Interessen in der Region aus? Wieso lassen sie IL
so frei dort schalten und walten, Kriege führen?
A
„Lassen“ im doppelten Sinn: USA lassen es nicht nur zu, dass IL seine
Feindschaften zu seinen Nachbarn kriegerisch auskämpft, Amerika wünscht das
auch ausdrücklich. Dabei muss es IL nicht zum Jagen tragen, weil IL – wie
soeben ausgeführt – ein Eigeninteresse an seiner Überlegenheit über alle
Staaten der Region hat. Für die USA war IL im Kalten Krieg der
Stellvertreter für Stellvertreter-Kriege gegen arabische Staaten, die auf die
Hilfe der Sowjetunion setzten. Ägypten z. B. musste lernen, dass ein gutes
Verhältnis zu den USA nur über die Anerkennung ILs führt. Es lernte seine
Lektion in 3 Kriegen und ist jetzt einer der besten US-Verbündeten unter den
arabischen Ländern. Syrien dagegen verweigerte diese „Einsicht“ – mit dem
Resultat, dass es von den USA als Terrorunterstützer-Staat eingestuft wird und
natürlich auch als „Diktatur“ – im Unterschied zu Ägypten, wo ungefähr die
gleichen Herrschaftsgepflogenheiten herrschen wie im „Schurkenstaat“ Syrien.
F
Was hat ILs Krieg gegen Hisbollah und Hamas mit dem Antiterrorkrieg der USA zu
tun?
A
Die USA erkennen ILs Kampf um sein soeben dargestelltes „Existenzrecht“ gegen
die zu „Terroristen“ erklärten liban. und pal. Milizen als Teil ihres ATK an.
Dies ist der „Freibrief“, die amerik. Finanzhilfe die materielle Grundlage für
ILs Lizenz zum jederzeitigen Zuschlagen gegen seine Feinde.
4. Block: Worum geht es
Hisbollah
F
was will Hisbollah erreichen? Ist doch seltsam: da kämpfen ein paar Milizen mit
absolut unterlegenen Mitteln gegen eine der bestgerüsteten Armeen, ja eine
Atommacht, gegen die stärkste Militärmacht in der Region. Was treibt die um?
A
Die Angriffe der Hisbollah (ähnlich auch die Vor-Oslo-PLO mit ihren
„Terror“-Anschlägen & Intifadas, heute noch die Hamas) sind nicht auf Sieg
aus eigener Kraft berechnet, sondern darauf, dass äußere Mächte, v. a. die
Großmächte, Israel zu Konzessionen zwingen. Hisbollah, Hamas, PLO wollen die
Großmächte dazu bewegen, den Dauerkrieg im Nahen Osten zu Gunsten einer
„Friedensregelung“ beenden, in der auch den Interessen der Unterlegenen
Rechnung getragen wird, die zwar zu schwach sind, sich durchzusetzen, aber
immerhin dazu fähig sind, mit ihren Mitteln (die die haushoch überlegenen
Mächte „Terror“ nennen) „Unordnung“ zu stiften.
F
Ist es ein erster Erfolg, wenn Kofi Annan und auch viele europäische Politiker
sagen: „Ohne eine Lösung des Palästinenserproblems kann es in der Region keinen
Frieden geben.“? Da denken sie insbesondere an eine 2-Staaten-Lösung, also an
die Gründung eines palästinensischen Staates. Sie werfen IL vor, durch militärisches
Vorgehen, ständige Ausweitung der Siedlungen, Mauerbau etc. ständig mehr Öl ins
Feuer zu gießen, statt den Konflikt durch Konzession eines paläst. Staates
auszuräumen. Was hältst du von dieser Ansicht?
A
1. Zunächst zur Erfolgsfrage:
Hisbollah und Hamas machen sich mit ihrem Kleinkrieg völlig abhängig davon, wie
sich die entscheidenden Mächte, v. a. die alles entscheidende Macht USA,
den Frieden vorstellen, den sie in der Nahostregion durchsetzen wollen. Die USA
drücken ja mit ihrer Einstufung von Hi. & Ha. als „Terrororganisationen“
aus, dass sie in ihrer Friedensordnung für diese beiden Organisationen keinen
Platz vorgesehen haben.
2. Durch das Zugeständnis eines eigenen Staates ändern Organisationen, die den
israelischen Staat als Staat der Juden beseitigen wollen, nicht
automatisch dieses Ziel. Durch die Gewährung der Souveränität sähen sie sich
zunächst einmal ins Recht gesetzt. Wenn Kofi Annan und die EU propagieren, eine
2‑Staaten-Lösung brächte Frieden, dann setzen sie also voraus, dass die pal.
Kampforganisationen vor, nicht infolge der Staatsgründung ihr
antizionistisches Ziel aufgeben. – Allerdings macht ihnen IL das durch seine
nach wie vor nicht abgeschlossen Staatsgründung schwer bis unmöglich. Man kann
schlecht das „Existenzrecht“ eines Staates anerkennen, der dieses Recht
gewissermaßen als „grenzenlos“ definiert.
5. Block: UNO, EU und
Deutschland als Mitordner
F
nun schickt D eine Marineeinheit zur Überwachung der liban. Küste zwecks
Unterbindung des Waffenschmuggels hin, andere EU-Staaten wie F und IT schicken
Truppen an die liban.-isr. Grenze – sie selbst haben sich aufgedrängt, wollten
unbedingt dabei sein.
A
Mitwirkung an Weltordnung, die Nahostregion als europäische Einflusssphäre
herausstellen und auch Einflussnehmen durch Einsatz und Dasein vor Ort, auf
keinen Fall das Feld anderen allein überlassen … Maß nehmen an den USA
F
Außenminister Steinmeier sagte am 19. September vor dem Bundestag: „Wir
können nicht sämtliche Verantwortung in der Region lassen. Auch wir stehen als
Mitglied der Weltgemeinschaft selbstverständlich in einer großen Verantwortung.
Wir müssen unsere Kraft im Nahen Osten einbringen, solange die eigenen Kräfte
dort zum Frieden noch nicht ausreichen.“ Was meint
Steinmeier mit „Verantwortung“?
A
Er spricht von „Verantwortung“, die D. ganz selbstverständlich übernehmen
müsse. In der dt. Öff. werden offenbar überhaupt nicht die beiden Fragen
gestellt, die einem doch fast automatisch einfallen sollten, wenn man hört,
dass jemand andere Leute für seine Ziele einspannen will, die in kriegerischen
Aktionen Leib und Leben einsetzen sollen.
Die beiden Fragen sind: „Verantwortung wovor oder vor wem?“
und „Verantwortung wofür oder für wen?“
Noch im Jugoslawien-Krieg hieß es: „Menschenrechte sind in Gefahr“, deshalb, zu
deren Sicherung müssen wir mit Truppen dahin – das hieß: „Wir wollen einen
Staat – Milošević’ (Rest‑)Jugoslawien – angreifen, nicht weil uns seine Politik
nicht passt, sondern weil das für die Menschen gut ist, über die Milošević
herrschte und denen wir mit Bombardements der Städte, in denen sie wohnen, und
der Fabriken, in denen sie ihr Geld verdienen, ungefragt helfen. Wir
sind eben zuständig fürs gute Regieren auf dem Balkan.“ Ähnlich in Afghanistan:
„Terror geht uns auch an. Wir verteidigen unsere Freiheit am Hindukusch.“ Und
auch hier fehlte nicht die Behauptung, der kriegerische Einsatz leiste gute
Dienste an der afgh. Bevölkerung, v. a. an deren weiblicher Hälfte!
Das waren Begründungen, Rechtfertigungen der Richtigkeit und Güte von
Truppeneinsätzen, die etwas gemeinsam hatten: Wenn „Unterdrücker“ und
„Terroristen“ weltweit tätig sind und von den USA weltweit bekämpft werden,
dann will D – weltweit – dabei sein. Weil Amerika unter diesen Titeln neue
Machtverhältnisse schafft, will D (und die gesamte EU) dabei mitmischen. Und
eben nie einfach deswegen, weil D es nun mal bei diesem „Geschäft“ dabei sein will,
sondern gleich noch in einem höheren Auftrag, z. B. weil es für die
Menschen in den mit Krieg überzogenen Staaten gut und förderlich sei. Das hat
die rot-grüne Regierung in ihren Kriegen während ihrer 7 Regierungsjahre als
selbstverständliche Lesart deutscher Militäreinsätze durchgesetzt. Jetzt genügt
es zu sagen: „Wir müssen Verantwortung übernehmen!“, und es geht als größte
Selbstverständlichkeit durch, dass das „Wofür/für wen“ schon allein damit
geklärt ist, dass ein dt. Außenminister und seine Kanzlerin von „Verantwortung“
reden.
F
Was ist denn dann eigentlich das Ziel, das die dt. Regierung mit dem
LBN-Einsatz verfolgt? Was meint Steinmeier, wenn er sagt: „Was ist
der Sinn dieser Sache? Ich finde, die Menschen im Libanon sollten spüren, dass
es für sie und ihre Familien in der nächsten Zeit wieder vorangeht. Das sollten
wir ihnen zeigen, damit keine anderen Flaggen über den wieder aufgebauten
Brücken wehen, sondern möglichst europäische.“
A
Wenn er ihnen die Brücken wieder aufbauen will, wozu schickt er dann die
Bundesmarine? Da wären Bautrupps von Hochtief eher am Platze! Und seit wann
werden an wiederaufgebauten Brücken die Nationalfahnen der edlen Spender
gehisst? Da sind dem Außenminister vor lauter „Verantwortung“ die Metaphern
entgleist. Es geht eben darum, dort im Nahen Osten „Flagge zu zeigen“ – und das
macht man am besten mit deutschem Militär vor Ort.
„Verantwortung“ heißt also: IL ist dabei, durch seinen Krieg eine Verschiebung
der Kräfteverhältnisse in der Region zu bewirken. Warum wartet D nicht darauf,
bis sich die Kräfte verschoben haben? Und stellt sich dann darauf ein? –
Zusehen & und sich auf Resultate einzustellen, die andere herbeigeführt
haben, und nach den Waffengängen wieder das zu tun, worauf sich D bisher doch
am besten verstanden hat, mit allen Parteien profitable Handelsbeziehungen zu
pflegen, das kommt offenbar nicht in Frage!
Dabei sagt Steinmeier noch nicht einmal, welches Kräfteverhältnis ihm dort
recht wäre? Statt dessen sagt er: „Verantwortung“. Also kommt es ihm darauf an,
dass D dort beim Kräfteverschieben irgendwie dabei ist. Nicht obwohl er
das gewünschte Resultat noch gar nicht absehen kann, sondern weil er es
noch nicht absieht. Genau deswegen sollen D und die EU mit den Mitteln vor Ort
sein, die man beim Kräfte-Verschieben braucht, mit militärischen. D hat also
keinen speziellen Kriegsgrund, sondern nur den: Dabei sein, damit es mitwirken
kann bei der Herstellung eines neuen Kräfteverhältnisses – nachdem man durch
ILs Krieg gerade hochkantig rausgeflogen ist.
Natürlich soll der Kriegseinsatz auch ein Dienst an den Familien im LBN
sein. Da kommen einem ja die Tränen! Sie sollen spüren dass es aufwärts geht. –
Aber beim „Helfen“ muss man aufpassen, dass niemand übersieht, wer
geholfen hat – wie und wem haben sie die neuen Brücken zu verdanken? Man muss
als Zuhörer schon vergessen haben, dass es um einen Bundesmarineeinsatz geht,
nicht um die Entsendung von Bautrupps! Es sollen europäische statt US‑Flaggen
über den wiederaufgebauten Brücken wehen. Da sagt er den „Sinn der Sache“ –
wieder mal doppelt: Auf europäischen = deutschen Einfluss kommt es an, auf
eigenen Einfluss – in Konkurrenz zu den Amis … und das auch noch als Dienst an
den armen Leuten dort – nachdem IL ihnen die Lebensgrundlagen zerbombt hat.
F
Warum will Steinmeier „während der Generalversammlung der Vereinten Nationen
[…] dafür werben, das Nahostquartett wieder zu beleben, das aus den Vereinten
Nationen, der Europäischen Union, Russland und den USA besteht. Dieses Quartett
soll die Steuerung der nächsten Schritte des Nahostfriedensprozesses
übernehmen.“?
A
Europa hat sich früher schon für diese Region zuständig erklärt: Die
Palästinensische Autonomie wurde von der EU mit Infrastruktur, Geldern und dem
Bau eines Flughafens unterstützt; dieser wurde von IL zerstört; es gab ein
Nahostquartett (mit EU, Russland, UNO und USA), welches eine Roadmap (einen
Stufenplan für beiderseitigen Zugeständnisse für die paläst. und israel. Seite)
mit umsetzen sollte. Auch dies wurde durch IL und den USA bald praktisch
durchkreuzt und für irrelevant erklärt. Europa wurde also von diesen beiden
Staaten immer wieder aus der Region ausgemischt. Deshalb will Steinmeier das
Nahostquartett wiederbeleben, das spätestens durch ILs Libanonkrieg mausetot
ist:
Da kommt es D zupass, dass der Weltsicherheitsrat die UNIFIL aufstocken will,
damit sie im Unterschied zur bisherigen UNIFIL-Minitruppe genug Kräfte hat, ILs
nicht ganz zu Ende geführtes Kriegsergebnis abzusichern: die Erledigung der
Hisbollah im Süd-LBN. Diese Einladung wird von der EU und D. als eine gute
Gelegenheit genommen, wieder mitzumischen.
Am 34-Tage-Krieg stört die Europäer, dass sie durch ILs selbstherrliches Wirken
mit US-Deckung aus einer Region hinausgedrängt worden sind, die sie zu ihrer
Südostgrenze erklärt haben. In der Diplomatensprache heißt das: Wer eine Region
zu seiner Grenzregion erklärt, erklärt sich für zuständig, will dort Einfluss
nehmen, den dortigen Staaten sagen, wo’s lang geht … – Das nennt man „Frieden
schaffen“.
Merkel und Steinmeier sind also keineswegs bestürzt, sondern eher erfreut über
das Resultat der vorhergegangenen Gewaltorgie: Jetzt dürfen sie mit eigener
Gewalt nachziehen, nämlich deutsche Soldaten in diese bedeutsame Region
losschicken!
Genau so und nicht anderes geht es in diesem System – das „Frieden schaffen“.