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Der Hamburger Richter "Gnadenlos" Schill kommt auch hierzulande mit seinen Sprüchen gut an. Zwar will seine "Partei Rechtstaatlicher Offensive" nicht bei der Bundestagswahl antreten, weil Stoiber die Merkel aus dem Rennen geworfen hat, aber in Richtung Nordrhein-Westfalen möchten sich die Parteigänger des gnadenlosen Rechtsstaats dennoch ausweiten. In diesem Zusammenhang signalisierte die erfolglose "Deutsche Mittelstandspartei" (DMP), dass sie am 17. Februar sich auflösen wolle, damit die Mitglieder die Möglichkeit haben, sich dem Schill-Verein anzuschließen.
Die Schill-Freunde
Auch hier gibt es genug Leute, die sich nicht damit abfinden können, dass so mancher die durch staatliche Gewalt und per Gesetz beschränkte Interessenvertretung nicht anerkennt und so zum Kriminellen wird. Die braven Bürger und Neidhammel, denen die gnadenlose Gerechtigkeit wichtiger ist als ihre Probleme mit der Arbeit, dem Wohnen und der Familie, glauben tatsächlich, dass durch verschärfte Strafen und rigidem Umgang mit Ausländern den Spitzbuben endgültig das Handwerk gelegt werden kann und ein Gemeinwesen ohne Gesetzesbrecher geschaffen werden kann. Obwohl die ganze Rechtspflege mit ihren Richtern und Strafgesetzbüchern zeigt, dass das Verbrechen zu dieser Gesellschaft gehört wie das Amen in die Kirche und von den vorhandenen Interessengegensätzen provoziert wird.
Die Schill-Gegner
Die Schill-Anhänger fühlen ihren Rachefimmel bei den konventionellen Parteien nicht so recht aufgehoben. Diese jedoch bemühen sich nach dem Wahldebakel von Hamburg klarzustellen, dass Schill nur ein Schaumschläger sei und sie es viel besser könnten. In der Süddeutschen vom 15. Februar gibt der Kommentator Marco Finetti den NRW-Politikern darum den heißen Tipp: "Sie (die Politiker, d.V.) müssen sich - ob sie wollen oder nicht - selber stärker der Inneren Sicherheit annehmen. Und sie müssen den Wählern erklären, warum es sich nicht lohnt, aus Angst oder bloßem Verdruss ins rechtspopulistische Lager abzuwandern." Und da ist der CDU-Generalsekretär Herbert Reul zur Stelle und erklärt laut SZ: "Die CDU fordere bereits seit Jahren bessere Ausstattung für Polizei und Justiz und härtere Strafen für Kleinkriminalität, daher sei das potentielle Wählerspektrum der Schill-Partei bereits durch die CDU besetzt." (ebd.)
Gnadenlose Holzbüttgener
In Holzbüttgen auf der linken Rheinseite, einem Vorort von Kaarst, gibt
es ein Häuflein rechtschaffender Bürger, das sich um Heimat und
Vaterland verdient gemacht hat. Unter dem Vorsitz des Kohlenhändlers
Josef Karis, der schon als Minister des Schützenkönigs von Holzbüttgen
reichlich Regierungserfahrungen gesammelt hat, philosophieren die Mitglieder
des Kreisverbandes Neuss der DMP über den Anschluss an die erfolgreiche
Hamburger Schill-Truppe. Sie wollen als Angehörige der Mittelstandspartei
dem Schill-Verein wirtschaftspolitische Kompetenz verleihen.
Karis strunzt gegenüber dem mächtigen Freund: "Der Kreisverband
der DMP in Neuss hat nach Darstellung seines Vorsitzenden Josef Karis bereits
500 potentielle neue Schill-Parteigänger, die einen vorläufigen
Mitgliedantrag gestellt haben." (SZ, 14.2.)
Unsere Antwort auf Schill
Schill hin, Schily her. In der demokratischen Konkurrenz setzt sich der demokratische
Polizeistaat immer neue Ziele. Die Formen von Bespitzelung, Verfolgung und
Bestrafung erscheinen dem Demokraten nie ausreichend. Überall werden
Sicherheitslücken entdeckt und die Parteien streiten sich darum, wer
sie am Besten stopft. Heraus kommt ein staatlicher Gewaltapparat, von dem
sich die vergangenen und gegenwärtigen Diktaturen eine Scheibe abschneiden
können.
Im übrigen schließen wir uns dem Kommentar eines unbekannten E-Mailers
an:
"Ich glaube es geht los, höre ich da richtig?? Der Karis will sich
mit dem Schill verbünden??
Glauben se ma' Herr Karis, dass danach 24/7 die Woche Party bei ihnen vorm
Tor ist..."
(http://www.agora-kaarst.de/guestlog.htm)
www.neusser-monat.de (18.2.2002)