Großer Europäer oder ein Reaktionär als Leitfigur

Die Lobhudelei von Kardinal Frings geht in die nächste Runde

Im Zusammenhang mit der Aufstellung des Fringsdenkmals im Schatten des Hl. Quirinus im August 2000 (siehe auch NM 5/00: Ein Reaktionär wird gefeiert) hatten sich die Initiatoren dieses Spektakulums schon einiges einfallen lassen, um ihr Idol in den Himmel zu heben. Sie bemühten seiner Zeit sogar den Wahlrheinländer Konrad Beikircher, um den Kirchenmann als volksnahen Anwalt der kleinen Leute herauszustellen. Nun geht die Lubhudelei in die nächste Runde.
Dieses Mal hat sich die Paneuropa-Jugend des "Neusser Anwalts der Deutschen" - so die NGZ in ihrem Bericht v. 28.2.02 - angenommen und denselben an den Beginn ihrer Vortragsreihe "Große Europäer" gesetzt. Wie diese "Anwaltstätigkeit für die deutsche Bevölkerung", inklusive überführte Kriegsverbrecher mit der Tätigkeit für Europa zu vereinbaren ist, bleibt das Geheimnis der Paneuropa-Jugend und ihres Referenten, Prälat Prof. Norbert Trippen. Die Paneuropa-Union, für die die Paneuropa-Jugend offensichtlich die Jungscharen aquirieren soll, wird geführt vom alten Habsburger-Chef Otto von.
Zum wiederholten Male wurden auf der Veranstaltung die Anekdoten des so volksnahen Kardinals zum Besten gegeben. Vom Ursprung des sogenannten "Fringsen" bis zu seinen "listigen" Verhandlungen mit den Besatzungsoffizieren. Aber auch die ernsteren Aktivitäten des 1945 vom einschlägig bekannten Papst Pius XII. ernannten Kardinals werden wie selbstverständlich auf die Positivliste gesetzt.
So wurde auch sein Einsatz für deutsche Kriegsgefangene herausgehoben und selbst sein Eintreten für überführte Nazi-Kriegsverbrecher wurde vom Vortragenden als Versuch von Frings gewertet, eine "gerechtere Urteilsfindung" zu ermöglichen. Unterstellt wird, es sei hier um Rachejustiz gegangen und nur das beherzte Eingreifen von Frings habe Schlimmeres verhüten können.
Überliefert wird Frings' Appell, "Verbrechen nicht durch Verbrechen" sühnen zu wollen. Er spielte dabei auf die Vertreibungen aus Osteuropa an, die gedeckt durch Beschlüsse der Potsdamer Konferenz mit Härte und z.T. tragischen Umständen verbunden waren.
Genau zu dieser Zeit aber wäre Aufklärung über die Verbrechen der Nazihorden in Polen, Weißrussland und den anderen von Hitlerdeutschland besetzten Gebieten angesagt gewesen, wo bei der Mehrzahl der Deutschen - und das berichteten damals übereinstimmend die meisten internationalen Korrespondenten aus Deutschland an ihre Zeitungen - schon wieder das Vergessen und das Selbstmitleid an die Stelle der Fragen nach dem "Warum?" und "Wie konnte das geschehen?" getreten war. Da ist ein Appell gegen das Aufrechnen von Verbrechen deplaziert, wo die Verbrechen der Nazis kaum erst im Ansatz aufgedeckt waren.
In diesem Zusammenhang sei nur an die schier endlose Geschichte mit der Zwangsarbeit und ihrer "Entschädigung" erinnert.
Und genau für diese Aufklärung hat sich Frings nie eingesetzt. Statt dessen sorgte er sich um das Wohl deutscher Kriegsverbrecher und setzte sich für deren Freilassung ein. Damit ordnete er sich, zusammen mit seiner Mutter Kirche, in den gemeinsamen "kalten" Krieg gegen den Bolschewismus ein, in dem jede erfahrene Kraft gebraucht wurde und seien es ehemalige Nazis oder gewendete Demokraten. So setzte sich Frings auch frühzeitig für die Wiederbewaffnung Westdeutschlands ein, das sich aufmachte, ein zweites Mal - diesmal mit den westlichen Alliierten - das "richtige Schwein" (nach Churchill) zu schlachten. Übertragen auf die Jetztzeit heißt dies: Im nun kürzlich ausgerufenen "endlosen Freiheitskampf der Kulturen" müssen wir auf alle Kräfte setzen, die sich schon in der Vergangenheit beim Kampf gegen das Übel - damals der Bolschewismus, heute die barbarischen Moslems - bewährt haben. Wahrlich, die Paneuropa-Jugend hat einen guten Griff getan: Frings - ein Mensch, dessen Einsatz für ein in Frieden geeintes Europa , d. h. für den "Kampf der Kulturen" gestähltes Europa anderen als Vorbild dienen kann.
HPJ

www.neusser-monat.de (11.3.2002)